|
Projekt Frühe Interventionen für Familien - PFIFF Entwicklungsorientierte psychosoziale Prävention zum Schutz der Kindheit – eine kontrollierte Studie unter naturalistischen Bedingungen Das „Projekt Frühe Interventionen für Familien – PFIFF“ wird als Begleitforschung für das Projekt „Keiner fällt durchs Netz“ durchgeführt. Nur so können wir herausfinden, was im Einzelnen zum Erfolg der Frühförderung beiträgt und welche Maßnahmen nicht zu empfehlen sind. 1. Hauptfragestellung Geplant ist eine umfangreiche Begleitforschung, die sich aus einer Prozess- und einer Ergebnisevaluation zusammensetzt. Die Fragestellungen hinsichtlich der Prozessevaluation beziehen sich auf die Durchführung des Projektes „Keiner fällt durchs Netz“ , z.B. wie viele Risikofamilien können durch die Hausbesuche erreicht werden, oder wie erfolgreich ist der Aufbau von Kooperationsstrukturen in einem „Netzwerk für Eltern“? Die Ergebnisevaluation beinhaltet eine Bewertung der Wirksamkeit der verschiedenen Interventionsbestandteile von PFIFF. Zu dieser Fragestellung wurden folgende Haupthypothesen formuliert: Nach einer Intervention über ein Jahr wird im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ein signifikanter Effekt in den folgenden Bereichen erzielt: * größere elterliche Kompetenz * funktionalere Eltern-Kind-Interaktionen * angemessener Entwicklungsstand der Säuglinge 2. Forschungsdesign Für die Prozessevaluation werden die Beteiligten des Netzwerks für Eltern, die SozialarbeiterInnen der Koordinationsstellen und die Familienhebammen in den beiden Projektstandorten in regelmäßigen Abständen zu folgenden Gesichtspunkten befragt: Arbeitsinhalt, Kooperationsstrukturen, Anregungen und Kritik an der Projektorganisation, etc. Außerdem gehen in die Prozessevaluation sämtliche soziodemographischen Daten der betreuten Familien und organisatorische Daten ein. Für die Ergebnisevaluation wird ein Vergleich von sozial stark belasteten Familien, die eine Intervention bekommen, und solchen, die keine Intervention bekommen, durchgeführt. Ansonsten könnten Veränderungen im Laufe des Interventionszeitraums lediglich entwicklungsbedingt sein und nicht wie intendiert positive Effekte der Intervention darstellen. Die Daten für die kontrollierte Studie werden in zwei Landkreisen (ein hessischer und saarländischer Landkreis) erhoben. Es handelt sich hier um eine quasiexperimentelle Studie, d.h. um eine kontrollierte Studie unter naturalistischen Bedingungen, bei der die Zuweisung zu Interventions- und Kontrollgruppe nicht zufällig erfolgt. Dieser Nachteil unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten ist ein Vorteil hinsichtlich der Intention des Projektes, wirklich allen sozial stark belasteten Familien in zwei Landkreisen Unterstützung anzubieten. Die Evaluation soll zu vier Messzeitpunkten stattfinden (siehe Abbildung 3, S. 4): wenige Wochen nach der Geburt, wenn das Kind sechs Monate alt ist, wenn es ein und wenn es zwei Jahre alt ist. 3. Stichprobengewinnung Auf den Geburtsstationen wird nach der Entbindung eine Einschätzung der Belastung mit der „Heidelberger-Belastungs-Skala“ durch das Team der Station durchgeführt. Anhand von Cut-Off-Werten werden die Familien in 3 Gruppen unterschiedlicher Risikobelastung eingeordnet: „Kein bzw. nur geringes Risiko“, „mittlere Risikobelastung“ und „hohe Risikobelastung“. Entsprechend der Risikobelastung wird den Familien ein Unterstützungsangebot gemacht, wobei das aufsuchende Angebot ausschließlich den Hochrisikofamilien zugedacht ist. Für die restlichen Familien steht der Elternkurs als Komm-Struktur zur Verfügung. Die Rekrutierung der Kontrollgruppe erfolgt durch eine Kooperation mit denjenigen Geburtskliniken, die in unmittelbarer Nähe zu den "Keiner fällt durchs Netz" Projektlandkreisen lokalisiert sind. Personen, die die benötigten Kriterien (Grad der Belastung laut Risikoscreening) erfüllen, aber aufgrund ihrer Nichtzugehörigkeit zum Projektgebiet nicht über das Projekt einer Intervention zugeführt werden können, sollen dann für die Kontrollgruppe gewonnen werden. Die endgültige Stichprobe abzüglich Dropout setzt sich aus ca. 100 Familien der Interventionsgruppe (Risikofamilien mit Hausbesuchen in zwei Projektstandorten) und ca. 100 Familien der Kontrollgruppe zusammen. 4. Erhebungsinstrumente Zu den vier Messzeitpunkten sollen unterschiedliche Untersuchungsbereiche multimethodal erschlossen werden: Fremdeinschätzung durch Experten aufgrund eines klinischen bzw. fachlichen Eindrucks, Selbstauskunft der Eltern anhand von Fragebögen bzw. strukturierter Interviews, Experteneinschätzung der beobachteten Interaktion in standardisierten und videographierten Untersuchungssituationen. Insgesamt werden 3 Untersuchungsbereiche systematisch erfasst: 1. das Kind (biologische und psychosoziale Risikokomponenten), 2. die Eltern (biologische und psychosoziale Risikokomponenten), 3. die Eltern-Kind-Beziehung bzw. Interaktion (psychosoziale Risikokomponenten).
|