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Ein Präventionsprojekt für Familien und ihre Kinder im ersten Lebensjahr.



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Informationen über das Projekt

Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie, Uniklinikum Heidelberg
Keiner fällt durchs Netz – Projekt zur primären Prävention

Projektleitung: Prof. Dr. med. Manfred Cierpka
Projektkoordination: Dr. Andreas Eickhorst
Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie
Universitätsklinikum Heidelberg
Bergheimer Str. 54 / 69115 Heidelberg
06221 / 56 – 4717
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1. Warum ein Präventionsprojekt?

1.1 Prävention senkt soziale Folgekosten
Nicht erst durch die erschreckenden Fälle von Kindesverwahrlosung, -misshandlung und -tötung sowie der Gewaltbereitschaft von Jugendlichen ist ein soziales Frühwarnsystem in aller Munde. Möglichst früh Gefahren aufzudecken, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist, bleibt Aufgabe des Gemeinwesens auch bei belasteten Kassen kommunaler Haushalte. Investitionen in die sichere psychosoziale Entwicklung der Kinder zahlen sich langfristig aus, weil spätere Interventionen kostspieliger und weniger wirksam sind. Je früher die zunächst gescheute Investition erfolgt, desto wirksamer können soziale Folgekosten gesenkt werden.

1.2 Bausteine der Frühförderung können Lücken des bestehenden Netzes schließen
Das Projekt Keiner fällt durchs Netz basiert auf den theoretischen Grundlagen und praktischen Erfahrungen bewährter Bausteine der Frühförderung, wie sie bereits seit 2006 im Rahmen einer Praktikabilitätsstudie des Elternseminars Das Baby verstehen unter Förderung der Karl-Kübel-Stiftung erprobt werden. Modellstandorte sind die Landkreise Bergstraße und Offenbach in Hessen und alle Landkreis des Saarlandes. Finanziert wird das Projekt von der Hessenstiftung, dem Ministerium für Inneres, Familie, Frauen und Sport des Saarlands und den Modellstandorten. In der Regel übernehmen die Krankenkassen einen Großteil der Kosten für das Elternseminar, so dass der finanzielle Aufwand für die Eltern minimiert wird. Keiner fällt durchs Netz zielt auf die Identifikation und den Zugang zur sogenannten Risikofamilie. Obwohl viele Familien in Deutschland nicht in der Lage sind, ihren Kindern eine angemessen gute Kindheit zu gewährleisten, sind Konzepte zur Prävention und Intervention zur Abwendung von Risiken bei Kindern noch nicht ausreichend vorhanden. Insbesondere fehlen Ansätze, die einen Zugang zu den belasteten Familien ermöglichen, um diese individuell fördern zu können. Störungen der Eltern-Kind-Beziehung können sich in dieser frühen Zeit durch mangelnde Fürsorge, fehlende Wertschätzung und unsichere Bindung an die Bezugspersonen wegen damit einhergehender dysfunktionaler Anpassungsprozesse und Reifeverzögerungen des Kindes rasch entwickeln. Dies potenziert wiederum die Konfliktdynamik und den Belastungsgrad der ohnehin vorbelasteten und meistens auch gefährdeten Familien. Die Konfrontation mit Problemen auf ganz unterschiedlichen Ebenen (z.B. Partnerschaft, Störung der Eltern-Kind-Beziehung, Arbeitslosigkeit und Armut) nimmt den Familien dann rasch die Initiative und Zuversicht, sich an eine hilfeanbietende Institution zu wenden. Risikokonstellationen müssen deshalb so früh wie möglich vor oder nach der Geburt des Kindes „entdeckt“ werden, um Negativspiralen zu verhindern. Ziel von Keiner fällt durchs Netz ist, dass bestehende Hilfestellungen in der frühen Kindheit bei belasteten Familien ankommen, bevor es zu einer Gefährdung des Kindeswohls kommt.

2. Wie funktioniert das Präventionsprojekt?
Im Projekt ist die Familienhebamme die zentrale Bezugs- und Unterstützungsperson. In einem dreischrittigen Vorgehen wird ein Zugang zu den Familien sehr früh gefunden und ausgebaut. Von den Teams auf den Geburtsstationen werden denjenigen Eltern Hebammen vermittelt, die sich nicht bereits aus eigener Initiative um Unterstützung durch eine Hebamme bemüht haben (Schritt 1). Allen Eltern wird die Elternschule "Das Baby verstehen" zur Stärkung der elterlichen Sicherheit angeboten. Besonders belastete Familien erhalten Hausbesuche durch eine Familienhebamme über das gesamte erste Lebensjahr, um die Eltern ab der Geburt des Kindes in basalen elterlichen Kompetenzen zu fördern (Schritt 2). Da alle Familien im Rahmen der Regelversorgung Unterstützung durch eine Hebamme bei der Pflege des Kindes und beim Stillen bekommen, werden die Hausbesuche bei Risikofamilien nicht als Diskriminierung oder Übergriff wahrgenommen. So können die Hebammen zur zentralen Bezugs- und Unterstützungsperson für die Mütter werden. In Fällen, wo die Hebammen im Laufe dieses Jahres mit Hilfe eines Screenings Risikokonstellationen identifizieren, werden die Familien als Schritt 3 an die bestehenden Hilfeeinrichtungen vermittelt.

3. Wer führt das Präventionsprojekt durch?
Wichtig ist die Vernetzung der Beteiligten vor Ort im jeweiligen Landkreis. Verantwortlich für die Vernetzung ist eine Koordinationsstelle an der Seite der Familienhebammen. Die Familienhebammen sind nicht nur in der Lage, Risiken bei Kind und Eltern in ihrem häuslichen Umfeld zu erkennen, sondern können auch äußerst wichtige Motivationsarbeit leisten, indem sie Angst und Schamgefühle vor der Inanspruchnahme vor weiteren Unterstützungsangeboten abschwächen. Durch die „Gehstruktur“ (d.h. die Familienhebammen gehen zu den Familien in ihr häusliches Umfeld) wird die Hemmschwelle auch für Familien mit Risikofaktoren geringer. Die Effektivität der Maßnahme lässt sich steigern, wenn nicht allein auf die Eltern-Kind-Interaktion geachtet wird, sondern die Familien zusätzliche Unterstützung am Arbeitsplatz, bei Gesundheitsproblemen oder Familienstreit und bei persönlichen Problemen erhalten. Diese Aufgaben können die Familienhebammen nicht ohne Unterstützung leisten. Daher wird in jedem Projektstandort eine 50%- Fachkraft (z.B. SozialarbeiterIn) als Koordinatorin und Ansprechpartnerin die Hebammen unterstützen. Sie ist bei den Supervisionsgruppen der Familienhebammen anwesend, vermittelt weitergehende Hilfsangebote und berät die Eltern bei Bedarf. Diese Fachkraft ist zentrale Kontaktperson für alle Beteiligten des Netzwerks für
Eltern.

4. Netzwerk für Eltern
Das Netzwerk für Eltern ist ein Arbeitskreis mit Mitgliedern aller an der Prävention und Intervention in der frühen Kindheit beteiligten Institutionen und Berufsgruppen am Projektstandort, der sich regelmäßig trifft und zur Optimierung der Identifikation von Risikokonstellationen und Vermittlung von primären Präventions- und Interventionsmaßnahmen dient.

HIER können sie die Projektbeschreibung und weitere Informationen runterladen

 

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