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Keiner fällt durchs Netz – Projekt zur primären Prävention
Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie, Uniklinikum Heidelberg
Eine Kooperation zwischen der hessenstiftung (den Kreisen Bergstraße und Offenbach), dem Bundesland Saarland (alle 6 Landkreise), der Stadt Heidelberg, dem Neckar-Odenwald-Kreis, dem Werra-Meissner-Kreis und dem Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie des Universitätsklinikums Heidelberg
Warum ein Präventionsprojekt? Lesen Sie HIER Details über das Präventionsprojekt.
Projektstandorte
Baden Württemberg:
Stadt Heidelberg & Neckar-Odenwald-Kreis
Hessen:
Landkreis Offen-bach, Kreis Bergstraße & Werra-Meissner-Kreis
Saarland:
Alle Kreise (Merzig-Wadern, Neunkirchen, Saarlouis, Saarpfalz-Kreis, St. Wendel) sowie der Regionalverband Saarbrücken
Forschungsergebnisse Januar 2011
Welche Wirkungen erzielt das Projekt KfdN?
Zwischenergebnisse der Begleitforschung PFIFF
Stand Januar 2011
Durch die Durchführung des Begleitforschung zum Projekt KfdN erhoffen wir uns Aussagen darüber treffen zu können, was im Einzelnen zum Erfolg der Frühförderung beiträgt und welche Maßnahmen weniger zu empfehlen sind. In unseren Begleitforschung PFIFF wird die Wirksamkeit der Interventionsangebote bewertet, welche sich nach drei Bereichen (Eltern, Kinder und Eltern-Kind-Interaktion) untergliedern lassen.
Unsere bisherigen Ergebnisse weisen auf die Wirksamkeit von KfdN in bestimmten Bereichen hin:
- Stressbelastung der Mütter: Ein besonders ausgeprägter Effekt der Intervention (d= .59) wurde in diesem Bereich erzielt: In der KfdN-Gruppe ist die empfundene Stressbelastung nach der Beendigung der Intervention (T3) zurückgegangen, während sie in der Kontrollgruppe von dem ersten Messzeitpunkt T1 zu T3 gleich geblieben ist.
- Ausprägungen der mütterlichen postpartalen depressiven Symptomatik: Die depressive Symptomatik ist bei den KfdN-Müttern von T1 zu T3 zurückgegangen (d =.27), während sie bei den Kontroll-Müttern von T1 zu T3 angestiegen ist.
- Dysfunktionalität der Mutter-Kind-Interaktion: KfdN-Mütter berichten zu T3 von einer geringeren dysfunktionellen Eltern-Kind-Beziehung als die Mütter aus der Kontrollgruppe (d = .19).
- soziale Entwicklung der Kinder: im Bereich der sozialen Entwicklung des Kindes wurden in der KfdN-Gruppe zu T3 bessere Werte als in der Kontrollgruppe erzielt (d = .29). Dieses Ergebnis ist auf die Effekte der unterstützenden Arbeit der Familienhebammen zurückzuführen. Es ist zu vermuten, dass weitere positive Effekte der Intervention auf die Entwicklung des Kindes in der 1-Jahres-Katamnese nachweisbar werden.
- In beiden Gruppen wurde eine Verbesserung der Feinfühligkeit der Mütter von T1 zu T3 festgestellt als ein Hinweis auf entwicklungspsychologisch bedingte Prozesse. Dabei konnten keine spezifischen Effekte der Intervention nachgewiesen werden. Zudem haben sich lediglich kognitive Aspekte der Sensitivität in beiden Gruppen verbessert, während emotionale Aspekte von T1 zu T3 gleich geblieben sind (=> die basale emotionale Beziehung unterlag in den beiden Gruppen keinen Veränderungen).
Wie oben bereits erwähnt, lassen sich die genauen Wirkfaktoren aus den bisherigen Ergebnissen nicht ableiten. Ob die positivere soziale Entwicklung beispielsweise über einen vermittelten (über die Mutter) oder einen direkten Effekt (Hebamme als eine Bezugsperson des Kindes) zustande kommt, bleibt bislang also offen.
Trotz der bekannten Schwierigkeiten bei der Ermittlung spezifischer Wirkfaktoren besteht das Bestreben, diese genauer zu untersuchen.
Einschränkungen der Studie: Die Daten zu T3 sind noch nicht vollständig erhoben, es handelt sich hier um Zwischenergebnisse. Zudem scheint die Kontrollgruppe zumindest bezüglich der demographischen Daten etwas weniger belastet zu sein (im Vergleich zur Interventionsgruppe lag bei den Müttern der Kontrollgruppe ein etwas höheres Durchschnittsalter und Familieneinkommen vor, zudem war ein höherer Anteil von ihnen verheiratet). Die Interventionseffekte des KfdN wären noch deutlicher, wenn die Kontrollgruppe belasteter wäre. Weiterhin erhielten 46% der Familien aus der Kontrollgruppe ebenfalls soziale Hilfen, z.B. vom Jugendamt oder von Schwangerschaftsberatungsstellen. Damit wirken sich vermutlich Interventionseffekte anderer früher Hilfen auf unsere Ergebnisse aus.
Eine saarländische Erfolgsgeschichte
Zum Ende der ersten Phase des Projekts „Keiner fällt durchs Netz“ lud das Ministerium für Arbeit, Familie, Prävention, Soziales und Sport des Saarlandes am 02. Februar zu einer Abschlussveranstaltung im Saarbrücker Schloss ein. Unter dem Titel „Keiner fällt durchs Netz – eine saarländische Erfolgsgeschichte“ wurde eine positive Bilanz der ersten drei Projektjahre gezogen und die Fortführung des Projekts angekündigt. In ihren Begrüßungsworten würdigten die Ministerin Frau Kramp-Karrenbauer sowie der Gesundheitsminister Herr Weisweiler das Projekt als wichtigen Beitrag zu Prävention und Kinderschutz. Lob für das Projekt und die gute Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen kam auch von Seiten des Regionalverbandes Saarbrücken (Regionalverbandsdirektor Peter Gillo), der hessenstiftung (Geschäftsführer Herr Dr. Kuther) sowie der Friedrich-Naumann-Stiftung (Vorsitzender Herr Dr. Gerhardt).

In seinem anschließenden Vortrag konnte Prof. Dr. Manfred Cierpka vom Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie des Universitätsklinikums Heidelberg bereits erste Ergebnisse der Begleitforschung präsentieren, die auch aus wissenschaftlicher Sicht die Wirksamkeit und somit den Erfolg des Projekts stützen.
Das Projekt „Keiner fällt durchs Netz“ wurde im Jahr 2007 in Zusammenarbeit zwischen den Landkreisen und dem Regionalverband Saarbrücken, dem Gesundheitsministerium und dem Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie des Universitätsklinikums Heidelberg als Ergänzung des Landesprogramms „Frühe Hilfen“ beschlossen. „Keiner fällt durchs Netz“ umfasst die Netzwerkbildung ("Netzwerk für Eltern") in allen saarländischen Landkreisen und dem Regionalverband, ein Elternkursangebot zur gelingenden Kommunikation mit dem Säugling ("Das Baby verstehen") sowie als Kernpunkt die aufsuchende Arbeit durch Familienhebammen beziehungsweise durch Familienbegleiterinnen. Die Arbeit der Familienhebammen und Familienbegleiterinnen wird durch Kinderärzte, Sozialarbeiter sowie durch Sozialpädagogen der Koordinierungsstellen der Landkreise und des Regionalverbandes Saarbrücken ergänzt.
Jubiläumsfeier der Kreise Bergstraße und Offenbach
Am 19.01.2011 lud die hessenstiftung – familie hat zukunft alle Projektbeteiligten zur Abschlussfeier des erfolgreichen Projekts „Keiner fällt durchs Netz“ in den hessischen Kreisen Bergstraße und Offenbach ein.

Prof. Cierpka mit den hessischen Familienhebammen und den Projektmitarbeitern
„Keiner fällt durchs Netz“ wurde im Jahr 2007 in den beiden hessischen Kreisen implementiert und laufend weiterentwickelt. Nun endete die dreijährige Implementierungsphase und das Projekt wurde in beiden Kreisen zu einem festen Bestandteil der Frühen Hilfen. Um die erfolgreiche Projektlaufzeit zu feiern, trafen sich alle KoordinatorInnen sowie Familienhebammen zu einem feierlichen Zusammenkommen sowie Rückblick auf die vergangenen Projektjahre.
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